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1. Die Welt des Mazda Designs |
Die Design-DNA von Mazda
Um eine neue optische Identität für Mazda zu schaffen, mussten Laurens van den Acker und sein Team wichtige Kernwerte der Marke und des Markenerbes zu zukünftiger Design-DNA verdichten. Was aber ist überhaupt Design-DNA?
So wie die menschliche DNA den genetischen Code eines Menschen enthält, so bezeichnet die Design-DNA jene grundlegenden Komponenten, die ein Fahrzeug unverwechselbar machen. Sie stellt sicher, dass ein Fahrzeug optische Charakteristika mit anderen Fahrzeugen der gleichen Familie teilt und sich zugleich von anderen Marken und Produkten unterscheidet. Es sind die optischen Merkmale, die eine Familie von Fahrzeugen verbindet – in diesem Fall das, was einen Mazda wie einen Mazda aussehen lässt.
Üblicherweise gehören zu diesen Komponenten Aussehen und Form des Kühlergrills, die Dachlinie, die Form der Frontscheinwerfer und die Gestaltung der Rückleuchten. Auch eine Blechfalte in der Karosserie, die Form eines Fensters oder ein ungewöhnliches Rad-Design kann die Markenzugehörigkeit eines Fahrzeugs belegen. Bei fachmännischer und gewissenhafter Ausführung sollte die Kombination dieser wesentlichen
Bestandteile zu einer Vielzahl einzigartiger und unverwechselbarer neuer Fahrzeuge führen. Ziel ist es, eine Familie schöner Fahrzeuge zu schaffen, die alle für sich genommen unterschiedlich und doch als Mazda zu erkennen sind.
Fahrzeugdesign: Ein ganzheitlicher Prozess von der Konzeption bis zur Ausführung
Die Entwicklung von Konzeptfahrzeugen spielt für Mazda eine zentrale Rolle bei der Verbesserung des Images beim Kunden und ist eine wichtige Möglichkeit, Ideen zu kommunizieren und Kundenreaktionen zu testen. Die Ursprünge eines Konzeptfahrzeugs liegen allerdings selten ausschließlich in einem Designstudio. Meistens beginnt die Entwicklung mit frühen Meetings der Advanced Product Strategy (APS)-Strategieteams. Dort treffen sich Designer, Ingenieure und Marketingexperten, erforschen neue und entstehende Lifestyletrends und untersuchen die künftige Entwicklung in der Automobilbranche.
Daraus werden die Marktbedürfnisse und die potenziellen Chancen eines Konzeptfahrzeugs abgeleitet. Dazu werden Kunden in ihren alltäglichen Umgang mit ihrem Fahrzeug beobachtet und es wird dokumentiert, was sie über ihr Auto denken. In Kombination mit Marktdaten, die über das Kaufverhalten Aufschluss geben, ist das APS-Team in der Lage, die Marktchancen künftiger Fahrzeuge zu ermitteln. An diesem Punkt kann eine Design- und Entwicklungsstrategie für das Fahrzeug festgelegt werden; dabei wird sichergestellt, dass das Modell zum Kern der Marke Mazda passt und das angestrebte strategische Ziel erfüllt. Diese Punkte werden in einem umfangreichen Design-Auftrag festgeschrieben.
Die Zusammenarbeit von Ingenieuren, Produktplanern und Designern verbessert den Prozess der Designentwicklung. Nachdem die Designziele festgelegt wurden, arbeiten die Designer mit Packaging-Ingenieuren zusammen, um das Fahrzeugkonzept zu entwickeln und sicherzustellen, dass es die Bedürfnisse der Zielkunden erfüllt. Die Designer fertigen erste Skizzen für das mögliche Konzeptfahrzeug an. Dieses Stadium nennt sich „Concept Generation“. Die Designer können frei arbeiten und mit einfallsreichen Skizzen eine Vielzahl von Ideen einschließlich der Proportionen, Formen, Grafiken und Oberflächenstrukturen ausprobieren. Dabei berücksichtigen die Designer die von den Ingenieuren festgelegten Vorgaben des Packaging und der festen Punkte eines Fahrzeugs: das Fahrzeugchassis und den Antriebsstrang. Ist das Design einmal festgelegt, werden weitere Skizzen aus verschiedenen Blickwinkeln sowie von Interieur- und Exterieur-Details angefertigt. Von diesem Zeitpunkt an beginnt die Erstellung von Tonmodellen. Durch den Einsatz digitaler Designtechniken mit Hilfe des Computers können verschiedene Ansichten des Konzeptfahrzeugs in unterschiedlichen Umgebungen bei verschiedenen Lichtverhältnissen erstellt werden.
Interieur-Designer beginnen mit ernsthaften Entwürfen für die Innenraumgestaltung und arbeiten eng mit Spezialisten für Farben und Materialien zusammen, die Stimmungstafeln (mood boards) und Farbpaletten anfertigen und dabei interessante Strukturen und Oberflächen entwickeln. Auch hier können durch den Einsatz digitaler Hilfsmittel dreidimensionale Ansichten erstellt werden. Jetzt werden Prototyp-Komponenten von Interieur und Exterieur für das spätere Konzeptfahrzeug entwickelt. Das Fahrzeug wird üblicherweise im Designstudio hergestellt, kann aber auch von einem externen Konzeptfahrzeug- und Prototypzulieferer gebaut werden. Der Entwicklungsprozess umfasst Hunderte von Schritten, um eine dreidimensionale und vorgabengetreue Umsetzung der Skizzen der Fahrzeugdesigner zu gewährleisten.
Bei Konzeptfahrzeugen dauert dieser Prozess in der Regel zwölf bis 18 Monate. Sollte das Konzept in Serie gehen, kann es bis zu fünf Jahre dauern, bis das Fahrzeug in den Schauräumen der Händler steht.
Wie man ein Fahrzeug designt: Neun Schritte
Automobildesign beginnt fast immer mit einer Skizze. Auch wenn verschiedene Perspektiven
gewählt werden können, ist die Ein-Punkt-Perspektive am einfachsten zu
beherrschen und am schnellsten auszuführen. Fast alle Designer beginnen daher
damit.
Schritt 1: Das Fundament
Nehmen Sie einen Stift und zeichnen Sie eine Basislinie, legen die Position der Räder fest und zeichnen die Schulterlinie. Zeichnen Sie nur leichte Linien, damit Sie Dinge verändern und Fehler korrigieren können, ohne von Neuem beginnen zu müssen.
Schritt 2: Grobe Proportionen
Stecken Sie die groben Proportionen des Fahrzeugs ab, indem Sie eine zentrale Linie und die Fensteröffnungen festlegen.
Schritt 3: Festlegen des Karosserieaufbaus
Skizzieren Sie den Karosserieaufbau des Fahrzeugs vom hinteren Stoßfänger über das Dach bis hinunter zum vorderen Stoßfänger. Beachten Sie: Je geringer der Abstand zwischen Dach und zentraler Linie ist, desto kleiner fällt die Wölbung aus.
Schritt 4: Details hinzufügen
Wenn Sie mit Form und Proportionen Ihres Fahrzeugs zufrieden sind, können Sie damit beginnen, Details wie Stoßfänger, Scheinwerfer und Räder hinzuzufügen.
Schritt 5: Details sichern
Dies ist der letzte Schritt vor dem Hinzufügen von Farben. Wenn Sie mit Ihrem Fahrzeug zufrieden sind, können Sie weitere Details wie etwa Oberflächenstrukturen und Raddesign hinzufügen.
Schritt 6: Schatten und Licht hinzufügen
Jetzt können Sie beginnen, mit einem Markierstift an Fenstern und Rädern einige Schattierungen hinzuzufügen. Indem Sie die Vorderräder etwas dunkler als die Hinterräder gestalten, rufen Sie den Eindruck von Bewegung hervor.
Schritt 7: Horizont und Szenerie
Jetzt brauchen Sie ein wenig Mut. Nehmen Sie einen farbigen Markierstift, um die Reflexionen des Lichts in den Fenstern und auf der Karosserieoberfläche darzustellen. Stellen Sie sich vor, wo sich die Horizontlinie hinter Ihnen befindet und wie sie von der Oberfläche des Fahrzeugs reflektiert werden könnte.
Schritt 8: Farben hinzufügen
Fügen Sie mit einem Markierstift oder einem Pastellstift Farbe über die gesamte Fahrzeuglänge hinzu, mit der Ausrichtung genau unterhalb der Schulterlinie. Die gewählte Farbe sollte mit dem vorher verwendeten Markierstift identisch sein.
Schritt 9: Sauber machen
Dies ist der letzte Schritt. Versuchen Sie alle Oberflächen zu bestimmen, die nach oben zeigen. Sollten Sie diese versehentlich gefärbt haben, dann nehmen Sie einen Radierer und entfernen die Farbe. Das ist die beste Möglichkeit, um einen dreidimensionalen Eindruck hervorzurufen.
Mazda Design: Vom Konzept bis zur Produktion
In den meisten Fällen geben Konzeptfahrzeuge einen Ausblick auf Design-Merkmale künftiger Serienmodelle. Hier zwei Beispiele einer solchen Entwicklung.
Vom Ibuki Concept zum Mazda MX-5 der dritten Generation:
Inspiriert von Front und Form des ersten Mazda MX-5 aus dem Jahr 1990, präsentierte Mazda auf der Tokyo Motor Show 2004 das markante Konzeptfahrzeug Ibuki.
Der Name bedeutet „Neue Energie einhauchen“ und wies bereits auf das Geheimnis des Konzeptfahrzeugs hin: Es war tatsächlich der neue MX-5, während die Presse anfangs noch skeptisch war. In der Tat wurde das überall am Ibuki auftauchende eiförmige Designmotiv zum Leitmotto der dritten Modellgeneration des Mazda MX-5, die auf dem Genfer Automobilsalon 2005 vorgestellt wurde. Die eiförmigen Scheinwerfer und die betonten Wölbungen sowie die sauberen und klaren Oberflächen fanden sich alle am Serienfahrzeug wieder. Auch innen übernahm der MX-5 einige Elemente des Ibuki Designs, darunter das Dreispeichen-Lenkrad, die eiförmige Mittelkonsole, den starken Mitteltunnel und rechtwinklige Türgriffe. Mehr noch: Für das Ibuki Konzeptfahrzeug versetzte Mazda den gesamten Antrieb weiter nach hinten und nach unten, um den Schwerpunkt des Fahrzeugs nach unten und näher an die Fahrzeugmitte zu verlegen. Ziel war es, die ideale Gewichtsverteilung von 50 zu 50 beizubehalten und das Handling zu verbessern. Daher hatte
das Konzeptfahrzeug ungewöhnlich kurze Überhänge und war rund 30 Zentimeter kürzer als das aktuelle Serienmodell des MX-5. Als der MX-5 dann auf den Markt kam, zeigte er tatsächlich kürzere Überhänge und bot ein verbessertes Handling.
Vom Sassou Concept zum Mazda2 der zweiten Generation:
Der auf der IAA in Frankfurt 2005 vorgestellte Mazda Sassou gab einen Ausblick auf das Design eines künftigen Kleinwagens von Mazda. Gezeichnet im Mazda Designzentrum in Oberursel, sollte das Konzeptfahrzeug vor allem auf junge Erstkäufer attraktiv wirken und in Erfahrung bringen, welche neuen Technologien sich junge Leute von einem Fahrzeug erwarten. Als ein Ergebnis dieser Überlegungen basierte der Innenraum des Sassou auf einem Konzept der „Illumination“ und verfolgte ein Ideal der interaktiven Verbindungsfähigkeit: Auf einem USB-Stick verwahrte der Fahrer alle persönlichen Einstellungen für Fahrzeug und Unterhaltungssystem. Während der Innenraum viel zum Erfolg des Konzeptfahrzeugs beigetragen hat, war es das Außendesign, das den Blick auf die neue Modellgeneration des Mazda2 freigab. Der Sassou enthielt bereits viele Design-Elemente, die schließlich auch den Mazda2 in seiner Serienversion zieren würden: die gesamte Form, die Karosseriekanten sowie die auf den RX-8 verweisende Frontpartie mit dem großen und sportlichen Fünf-Punkt-Grill.
Mazda Advanced Design: Ideenfluss zwischen vier internationalen Designstudios
Die Verantwortung für die weltweit erfolgreiche Einführung des Mazda Designs liegt in den Händen von vier globalen Designstudios in Irvine/Kalifornien, Oberursel bei Frankfurt sowie den beiden japanischen Standorten Yokohama und Hiroshima. Alle Studios werden von Laurens van den Acker geleitet. Schon allein in Fragen der Kommunikation ist das eine unglaubliche Herausforderung. Da der Schreibtisch von
Laurens van den Acker in der Konzernzentrale in Hiroshima steht, verbringt er viel Zeit damit, von einem Studio zum anderen zu reisen. Alle vier Studios besitzen eine zentrale Funktion bei der Lieferung neuer Ideen für künftige Designrichtungen. Jedes Studio konzentriert sich dabei auf die Gestaltung von Produkten für die jeweiligen lokalen Märkte. In Irvine arbeitet das Team des North American Design Studios unter der Leitung von Franz von Holzhausen an Fahrzeugen und Konzepten für Nordamerika. In Oberursel konzentrieren sich Peter Birtwhistle und seine Mitarbeiter auf Fahrzeuge für Europa. Am Standort Yokohama werden unter der Leitung von Atsuhiko Yamada Produkte für die asiatischen Märkte
gestaltet – zusammen mit der Designzentrale in Hiroshima, die die globale Designstrategie koordiniert.
Die Wirklichkeit ist allerdings viel komplexer: Produkte stammen aus einer geographischen Region und werden in einer anderen Region vertrieben und sind häufig für mehr als einen Markt bestimmt. Daher ist jedes Studio global aufgestellt und verfügt zugleich über eine besondere lokale Kompetenz. Dies führt zu einem überaus gesunden und fruchtbaren Wettbewerb der Ideen im globalen Designteam, der mit großer Offenheit geführt wird, um effiziente Arbeitsprozesse zu gewährleisten. Jedes Studio ist in drei verschiedenen Bereichen tätig: Es kreiert Konzeptfahrzeuge, fertigt Serienmodelle und entwickelt ein besseres Verständnis dafür, wie künftige Mazda Fahrzeuge zu verbessern sind. Alle drei Aspekte haben unmittelbar mit Design zu tun. Aber der dritte Bereich ist der wichtigste, denn dort wird die Frage gestellt: „In welche Richtung wollen wir gehen, und was brauchen wir, um dort anzukommen?“ Dieser dritte Bereich hat normalerweise den stärksten Einfluss auf Fahrzeugarchitektur und Packaging. Er beginnt mit einer Philosophie und führt zu grundlegenden Fragen wie beispielsweise „Wie und woraus bauen wir diese Fahrzeuge?“ Das Designstudio, das in unmittelbarer Nähe zu Vorentwicklern und Produktplanern angesiedelt ist, beschäftigt sich in der Regel die meiste Zeit mit der Frage, wie und wo man ein Fahrzeug produziert. Dadurch kann das Erstellen von Konzepten und andere experimentelle Arbeit untergeordneten Studios überlassen werden. Dort können Fragen gestellt werden, an die in den Designzentralen bis dahin vielleicht noch nicht einmal gedacht wurde. Unter van den Acker wird jedes Studio dazu ermutigt, ohne Beschränkungen zu denken, Vorstellungen weiterzuentwickeln und künftige Ideen und Konzepte zu erkunden.
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