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2. Nagare – Eine neue Designsprache |
Zoom-Zoom: Die physische Interpretation des Mazda Markenerbes
Mit dem Nagare enthüllte Mazda auf der Los Angeles Motor Show 2006 ein Konzeptfahrzeug, das seinesgleichen suchte. Die Formensprache aus strukturierten Oberflächenlinien und einer dramatischen futuristischen Keilform hatte man bis dahin noch bei keinem Konzeptfahrzeug gesehen. Zunächst schien der Nagare eine grundlegende Veränderung zu dem unmittelbar vorher präsentierten Konzept-Trio Sassou,
Senku und Kabura zu markieren, und nicht einmal das Mazda Designteam ahnte voraus, welche Wirkung die neue Designphilosophie rund um die Welt entfalten würde.
Das Trio dieser preisgekrönten Konzeptfahrzeuge (Der Mazda Senku wurde mit dem Grand Prix du Plus Beau Concept Car beim 21. Festival Automobile International 2006 in Paris ausgezeichnet. Der Kabura gewann den „Aesthetic and Innovation Award“ auf der Detroit Motor Show.) hatte zuvor das Publikum auf weltweiten Automobilmessen der Jahre 2005 und 2006 begeistert.
Mazda bekannte sich damit auf neue und energiegeladene Weise zu aufregendem zeitgenössischem
Automobildesign. Doch die Einführung des Nagare änderte alles. Eine solch einschneidende Einführung kann sich ein Automobilhersteller nur wünschen. Doch was war der Grund für eine solch grundlegende Änderung, wo die jüngsten Konzeptfahrzeuge doch so erfolgreich gewesen waren? Franz von Holzhausen, Design
Direktor für Mazda North America, erläutert: „Mazda hat eine starke Produktpalette. Doch für die Zukunft der Marke Mazda wollten wir eine neue Designsprache schaffen, die den Fahrzeugen zusätzliche Emotionalität verleiht, so wie Zoom-Zoom für eine zusätzliche Emotionalität steht, wenn die Fahrzeuge in Bewegung sind. Mit den drei Konzeptfahrzeugen loteten wir Ideen aus, die Teil der Designphilosophie
des „Fließens“ wurden. Nagare entstand aus diesen Konzeptfahrzeugen, als Laurens uns ermutigte, noch weiter zu denken als bisher.“
Die Marken-DNA, die für alle Mazda Fahrzeuge gilt, kann mit einer Reihe von Eigenschaften beschrieben werden: Zoom-Zoom, jung, stylish, lebendig, einfühlsam, Emotion in Bewegung, innovativ. Alle diese Adjektive sind über die Jahre zu festen Charakteristika der Marke Mazda geworden, weil Mazda Fahrzeuge seit langem für ihre außergewöhnliche Funktionalität, ausgezeichnete Handhabung und beste Fahreigenschaften geschätzt werden. „Wir fragten uns, ob all diese Eigenschaften wirklich durch das Design adäquat zum Ausdruck kommen“, sagt Franz von Holzhausen.
„Unsere Fahrzeuge waren fahrdynamisch gesehen großartig, und die Proportionen stimmten, aber wir hatten das Gefühl, dass man an der Optik arbeiten müsse. Es ist schon jetzt Zeit, das Design von morgen vorzubereiten. Die Nagare Konzeptfahrzeuge weisen den Weg.“
Das Designteam machte sich daran, etwas Neues und Frisches zu entdecken und eine Ästhetik zu entwickeln, die Mazda auf optische Weise beschreibt und definiert. Unter der Leitung von Laurens van den Acker war das Designteam herausgefordert, den durch Zoom-Zoom verkörperten Geist der Marke einzufangen. Wesentliche Eigenschaften der Marke sollten dabei im Design von Mazda Fahrzeugen zum
Ausdruck gebracht werden, auch wenn die Fahrzeuge sich nicht von der Stelle rühren. Das Ergebnis war Nagare oder „Fluss“, eine komplett neue Designsprache für Mazda Fahrzeuge.
Wie man einen Mazda designt: Linien und Elemente, die einen Mazda ausmachen
Die Formensprache Nagare (Fluss) besteht aus vielen Designelementen, die ein Mazda Fahrzeug definieren. Das Auffälligste ist die Gestaltung der Oberfläche, mit der Ströme von Luft oder Flüssigkeiten über die Fahrzeugoberfläche dargestellt werden. Dies ist ein Bestandteil aller Nagare-Konzeptfahrzeuge. Die Karosserieoberflächen spiegeln durch ihre Struktur das Licht, als ob das Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit fährt, und deuten so die dynamischen Eigenschaften des Fahrzeugs an. Je nach Typ und individueller Form des Konzeptfahrzeugs fallen diese Oberflächen unterschiedlich, aber stets angemessen aus. Ein weiteres klares und wichtiges Designmerkmal ist der Fünf-Punkt-Kühlergrill, der zwar je nach Fahrzeug unterschiedlich aussieht, aber stets einen hohen Wiedererkennungswert für die Marke besitzt. Die exakte Form des Grills hängt von der Gesamtgestaltung der Frontpartie ab. Andere Elemente sind die Motorhaube, die ausgeformten Radhäuser im Stil des RX-8 sowie die Gestaltung von Scheinwerfern und
Rückleuchten. Diese Komponenten sind zusammen mit der Keilform des Fahrzeugs wesentliche Bestandteile der Nagare-Formensprache.
Interieur-Design: Die Zukunft der Innenraum-Gestaltung bei Mazda
Bis jetzt lag der Fokus der Nagare-Formensprache auf der Weiterentwicklung des Außen-Designs. Dies lässt sich an der Reihe der fünf Konzeptfahrzeuge ablesen. Doch nun beschäftigt die Designer immer mehr die Frage, wie Nagare im Interieur künftiger Mazda Modelle zum Ausdruck gebracht werden kann. Laurens van den Acker: „Das Interieur verlangt nach einer anderen Herangehensweise. Der Innenraum ist ein Sammelsurium unterschiedlicher Dinge. Wir verfolgen beim Innenraumdesign daher eine ganzheitliche Philosophie und streben nach einer ausgereiften Formensprache.“
„Die Entwicklung des Interieurs beschäftigt sich mit drei Schlüsselbereichen: Fahrerorientierung, Leichtigkeit – sehr wichtig für Mazda – und Fluss. Die Kombination dieser drei Aspekte wird unsere Innenräume einzigartig und unsere Fahrzeuge unverkennbar zu Mazda Modellen machen. Andere Marken bieten sicherlich auch Fahrerorientierung und streben nach Leichtigkeit. Doch erst Nagare in Verbindung mit den anderen beiden Elementen definiert Mazda. Ziel ist es, für das Interieur eine Design-DNA zu entwickeln, die mit der DNA für das Außendesign künftiger Mazda Modelle übereinstimmt, um einen konsequenten Interieur-Stil für die Mazda Modellpalette der Zukunft zu kreieren. Fahrerorientierung ist das Schlüsselmerkmal, denn jedes Mazda Modell trägt die Seele eines Sportwagens in sich. Dies ist ein zentrales Charakteristikum der Marke Mazda. Das zweite Merkmal ergibt sich durch die intellektuelle Auslegung des Begriffs Leichtigkeit als einen zukünftigen Markenwert.
Laurens van den Acker zufolge gehören vier Aspekte zu dieser Leichtigkeit: „Das erste Ziel ist es, eine optische Leichtigkeit zu erreichen. Dinge sollen leicht aussehen. Wir können das durch fließende Oberflächen, dünn aussehende Formen, Öffnungen etc. verwirklichen. Der zweite Aspekt ist physische Leichtigkeit. Die Bauteile und Komponenten im Innenraum müssen so leichtgewichtig wie möglich sein. Der
dritte Punkt ist der mentale Aspekt der Leichtigkeit. Schließlich wollen wir nicht bierernst wirken, sondern jugendlich und mit einem Augenzwinkern. Der vierte Aspekt schließlich ist die nachhaltige Leichtigkeit und die Frage nach der Umwelt.
Dabei spielen der verantwortungsvolle Umgang mit Materialien und Prozessen sowie Wiederverwertung und andere Aspekte eine wichtige Rolle.“
Diese Philosophie der Leichtigkeit ist außerordentlich weitsichtig. Van den Acker glaubt, dass in einer zunehmend aufreibenden Welt unsere Fähigkeit, die Fahrt in einem Mazda zu genießen, mindestens ebenso von der Reinheit und Klarheit der Interieur-Gestaltung abhängt wie von den Fahreigenschaften. In Sachen Leichtigkeit bedeutet Nagare auch: weniger Dichte, weniger emotionaler Abfluss, weniger optische Statik. „Es geht auch darum, nicht durch zuviel Informationen gestört zu werden und nur dann mit Informationen versorgt zu werden, wenn man sie benötigt. Wir brauchen weniger statt mehr. Unsere Innenräume werden sehr einfach aussehen und nur wenige Bereiche der Information und Technologie aufweisen. Das ultimative Ziel ist ein von Nagare gestaltetes Interieur, das beruhigend und friedlich wirkt.“
Die Nagare Innenraum-Philosophie ist frei von Anspannung. Sie ist ebenso zentral für die neue Mazda Designsprache wie die Oberflächenstrukturen des Exterieurs.
Farben & Trim: Der innovative Einsatz neuer Materialien
Die Umsetzung der optischen Leichtigkeit im Interieur, die Laurens van den Acker vorschwebt, hängt untrennbar mit einer neuen und innovativen Art und Weise des Einsatzes von Materialien ab. Das Mazda Designteam entwickelt mit Hochdruck eine revolutionäre Methode für die Auswahl von Formen und Materialien für Interieur und Exterieur. Einfache, in Ausgestaltung und Funktion fließende Formen erfordern
einen grundlegend neuen Ansatz des Interieur-Designs und erfordern dabei womöglich auch komplexe Fertigungstechniken. Konventionelle, voneinander getrennte Komponenten des Interieurs, die ineinander fließen – wie etwa die Instrumententafel, die in die Mittelkonsole und weiter in die Vordersitze übergeht -, während funktionelle und technische Bauteile wie die Klimaanlage und Audiosysteme integriert
werden müssen: Dies alles erfordert eine Revolution der Formgebung und der Herstellung.
Mazda entwickelt fortschrittliche Materialien, mit denen das Unternehmen seiner Umweltverantwortung gerecht wird. Im Konzeptfahrzeug Taiki werden bereits Biokunststoffe eingesetzt, die weniger CO2 produzieren als herkömmliche Kunststoffe.
Diese und andere Materialien sollen künftig auch in Serienfahrzeugen eingesetzt werden. Zugleich sollen funktionale Einfachheit und ergonomische Klarheit aufrechterhalten und ein insassenfreundliches, sinnliches und ruhiges Interieur geschaffen werden. Das Meistern dieser Herausforderung hängt vom innovativen
Gebrauch von Farben und Materialien ab, wie Laurens van den Acker erläutert: „Wir fangen gerade erst an, in „Nagare“ zu denken. Das bedeutet, zu denken, wie aus einer Instrumententafel ein Sitz werden kann – wie im Taiki – oder wie Fahrerinformationen in das Fahrzeug strömen und wie dieser Informationsfluss geordnet werden kann. Statt eine Schreibmaschine zu entwickeln, bei der jede Taste eine
Funktion besitzt, versuchen wir alle Funktionen miteinander zu verbinden. In der Realität hängt ohnehin alles mit allem zusammen. Nagare schafft durch den Einsatz
von Farben und Materialien eine emotionale und optische Verbindung.
Der Designprozess von Mazda: Die Verbindung von Kunst und Wissenschaft
„Vor 20 Jahren wäre das Mazda Design aus technologischer Sicht noch gar nicht möglich gewesen“, sagt Peter Birtwhistle, Chefdesigner von Mazda Europe. „Selbst die geschicktesten Ton-Modellierer hätten die Komplexität und die Feinheiten der Oberflächen nicht per Hand umsetzen können.“
Üblicherweise zeichnet im Designprozess ein Fahrzeugdesigner Skizzen des Fahrzeugs und fertigt danach ein kleines Tonmodell an. In der Phase der Genehmigung geht man dann zu größeren Tonmodellen über, bevor hoch qualifizierte Modellierer an Tonmodellen im Maßstab 1:1 arbeiten, um nahezu realistische Fahrzeuge herzustellen.
Diese Methode ist für Generationen von Fahrzeugen angewandt worden. Doch in den letzten Jahren hat die Integration digitaler Designmethoden zu einer Änderung in der Fahrzeugentwicklung geführt. Wenngleich die exakten Schritte von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich sind, werden Autos zunehmend mit Hilfe
digitaler Designsoftware am Computer gezeichnet. Letztendlich errechnet diese Software dreidimensionale mathematische Formendaten auf Grundlage einer zweidimensionalen Zeichnung. Dabei werden technische Informationen über bestehende Bauteile wie Chassis und Antriebsstrang – die sogenannten „hard points“ – berücksichtigt, um ein realistisches 3D-Modell zu erstellen, ohne dass auch nur ein zeitraubendes
Tonmodell geschaffen werden muss. Auf Grundlage dieser Daten fertigt eine mehrachsige Fräsmaschine dann eine lebensgroße Ton-Nachbildung des Fahrzeugs, die die exakten Komplexitäten des Original-Designs aufweist. Schließlich können die Daten auch für die Herstellung von Fahrzeugbauteilen und Werkzeugformen für den Produktionsprozess verwendet werden.
Das Designen und saubere, klare Herstellen komplexer Oberflächenstrukturen ist heute nur mit digitaler Hilfe möglich. Die Integration des computerunterstützten Designs und das ungewöhnlich hohe technische Verständnis der Designer hat Mazda die Fähigkeiten verliehen, neue Design-Ideen zu verwirklichen und auf den Markt zu bringen. „Wenn man es auf die einfachsten Formen herunter bricht, ist es nicht viel
komplizierter als die gegenwärtige Konstruktion“, sagt Franz von Holzhausen, „aber die Produzierbarkeit der Strukturen ist entscheidend, denn diese Strukturen sind für Mazda ein charakteristisches Design-Merkmal.“
„Jedes Konzeptfahrzeug, das wir gefertigt haben, war ein Lernprozess“, sagt Laurens van den Acker. „Wir haben mit einigen der abenteuerlustigsten Ingenieure gearbeitet. Diese Form der Innovation hat eine lange Tradition bei Mazda. Für Designer ist es ein Traum, mit solchen Ingenieuren zusammenarbeiten zu können. Wir müssen sehr eng mit den Technikern und den Lieferanten kooperieren. Jeder muss dabei mit von der Partie sein.“
Die Geschichte und Bedeutung des „Fließens“: Die Nagare-Generation
Nach zahllosen Brainstormings, vielen Zeichnungen, Forschungen und Machbarkeitsstudien war die Nagare- Designsprache geboren: in Form des Konzeptfahrzeugs Nagare. Doch wo kam sie her und wie hat sie sich entwickelt?
Das Designteam nahm seine Arbeit auf, indem es sich mit den dynamischen Eigenschaften von Mazda Fahrzeugen beschäftigte. Nichts charakterisiert Mazda besser als „Emotion in Bewegung“ („emotion in motion“): Mazdas Bekenntnis zu Fahrzeugen, die die kindliche Freude durch den reinen Spaß am Autofahren vermitteln. In stundenlangen Diskussionen einigte sich das Designteam darauf, dass Mazda Fahrzeuge
schon im Stand jene Emotion und Dynamik verdienen, die sie in Bewegung ausstrahlen.
„Auf der Suche nach Inspiration wandten wir uns der Natur zu und konzentrierten uns auf Bilder von Bewegung, die durch Kräfte wie Wind und Wasser geschaffen werden“, erklärt Laurens van den Acker. „Solch natürliche Strömungslinien verleihen einen intuitiven Sinn für Bewegung. Wir wollten Fahrzeuge bauen, die diese natürliche Bewegung wie mit einem Schnappschuss einfangen. Dabei fiel uns auf, dass die Automobilindustrie eine der wenigen Branchen ist, die diese verblüffenden natürlichen Strukturen der Landschaft bisher noch nicht eingefangen hat – ganz im Gegensatz zu Architektur, Mode und Produktdesign. Dies bot uns eine großartige Gelegenheit, diese Formen für das Mazda Design zu interpretieren.“ „Unsere neue Oberflächensprache stellt das Fahrzeug ins Zentrum“, fügt Franz von
Holzhausen hinzu. „Nachdem wir uns den sehr starren architektonischen Ansatz und den hochgradig fließenden organischen Ansatz angesehen haben, entwickelten wir Nagare, um diese beiden Disziplinen zu überspannen. Sie ist flüssig, anmutig und dynamisch. Aber die Botschaft, die sie dem Betrachter vermittelt, ist die der fließenden Bewegung.“
In der Folge begannen die Mazda Designer mit der Erforschung von Möglichkeiten, Fahrzeugoberflächen so zu strukturieren, als ob sie auf natürlichem Wege durch Luft oder Wasser geformt wurden. Das Designteam entwickelte eine Oberflächensprache, um ihre Philosophie des Fließens optisch auszudrücken. Wie die Elemente der Natur, die sie inspiriert hatten, so wollten die Designer die rohe, unverfälschte Kraft der Bewegung von Mazda Fahrzeugen vermitteln, selbst wenn diese stillstehen, wie Laurens van den Acker erläutert: „Wir entdeckten, dass das Designkonzept eine überaus aufregende und logische kreative Herangehensweise repräsentierte, nämlich die in der Natur beobachtete Bewegung als Ausdruck von Energie auf ein von Menschen gemachtes Objekt wie ein Auto zu übertragen. Diese Erkenntnis erlaubte es uns, in der Folge ein dramatisches und einzigartiges Design nach dem anderen zu kreieren.“ Das herkömmliche Automobildesign schreibt vor, dass Karosserieflächen aus geschmeidigen, sauberen und klaren Oberflächen bestehen müssen. Das Fließen aber ist wie ein Kräusel- oder Welleneffekt auf der Oberfläche des Metalls. „Die Oberflächensprache von Nagare wendet sich gegen die konventionelle Lehre von glatten und unkomplizierten Oberflächen“, sagt Franz von Holzhausen. „Das haben wir alle an der Universität gelernt, und deswegen geht uns das gegen den Strich.“ „Wir brechen die goldene Regel des Designs“, ergänzt Laurens van den Acker. „Sie besagt, dass man vereinfachen soll. Jeder wird Ihnen sagen, dass Sie Linien entfernen sollen, bis keine mehr übrig sind, die entfernt werden können. Wir hingegen fügen Linien hinzu. Das mag zunächst gegen die Intuition sein, aber wenn wir es gut machen, sieht es natürlich aus und erschafft Schönheit.“
„Fluss“: Die Nagare-Designserie von Mazda
„Jedes Konzeptfahrzeug gewichtet das Verhältnis zwischen Bewegung und Fluss im Hinblick auf die Oberflächengestaltung ein wenig anders. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, um den Eindruck von Bewegung einzufangen; daher verkörpert jedes Konzeptfahrzeug der Nagare-Serie eine andere Interpretation unserer neuen Oberflächensprache.“ Laurens van den Acker, General Manager Design Division
Das erste Konzeptfahrzeug mit dem Motiv des Fließens war der Mazda Nagare, der im November 2006 vorgestellt wurde. Als erstes Modell einer Serie von Designkonzepten – manche näher an aktuellen Serienfahrzeugen als andere – stellte der Nagare eine Erforschung der fließenden Oberflächen dar. Der Mazda Ryuga folgte kurze Zeit später im Januar 2007 und lotete die Idee aus, die Schönheit der Bewegung
mit von Menschen gemachten Strukturen zu verbinden: in diesem Fall die traditionellen japanischen Steingärten. Mit der Vorstellung des Hakaze im April 2007 untersuchte die Designsprache die verschiedenen Fahrzeuginterpretationen auf ihre praktische Realisierbarkeit. Das Potenzial des Fluss-Designs bei der Interieur-Gestaltung nahm Formen an mit der Einführung des Taiki im Oktober 2007. Der im Januar 2008 vorgestellte Furai lotete hingegen die extrem sportlichen Möglichkeiten der Designsprache aus.
Alle Konzeptfahrzeuge der Nagare-Serie bestätigen, dass sich die Fluss-Strategie von Mazda über das Stadium einer Designübung hinaus in Richtung einer echten Produktionsrealität entwickelt. Die Serie wird im Laufe des Jahres 2008 mit der Vorstellung weiterer Modelle fortgesetzt.
Mazda Nagare: Los Angeles Motor Show 2007 (Oktober 2006)
„Das Konzept eines Konzepts“: Das war die erste Präsentation des Nagare-Konzeptfahrzeugs als Vorstellung der gleichnamigen Designsprache in den Worten von Franz von Holzhausen, der das Designteam bei der Entwicklung des Nagare-Konzepts leitete. Zu dieser Zeit erforschten die Mazda Designer potenzielle Oberflächenformen und Fahrzeugproportionen, aus denen dann die Evolution von Nagare entstand. Die Form des Nagare wurde von funktionellen Realitäten nicht beeinträchtigt; es war einfach die visuelle Blaupause der konzeptionellen Zielrichtung. Obwohl das Fahrzeug einen intellektuellen Prozess erst einleitete, zeigt es bereits viele Komponenten der Designsprache, die bleiben sollten. Die geschmeidige und
aerodynamische Form erwies sich als widerstandsfähig und sollte später alle folgenden Konzeptfahrzeuge ebenso beeinflussen wie die weit außen platzierten und damit Agilität ausdrückenden Räder. Am eindrucksvollsten sind die zwei langen Schmetterlingstüren, die nach vorne und nach oben öffnen, um einen besonders leichten Zugang zum Innenraum des Viersitzers zu erlauben. Mit einem zentral angeordneten Fahrersitz und den sich wie in einer Lounge herum gruppierten Rücksitzen gelingt dem Nagare eine innovative Bündelung von Fahrdynamik und Innenraum-Funktionalität.
„Unser Studio in Irvine leistete durch die Entwicklung des Nagare-Konzeptfahrzeugs wirklich Pionierarbeit für die gesamte Designphilosophie“, erläutert Franz von Holzhausen. „Sie erwuchs auf Grundlage der früheren Studien Senku und Kabura. Als wir das Konzeptfahrzeug Nagare entwickelten, wurde uns klar, dass wir damit eine Designphilosophie schaffen, die jede Menge Licht ausstrahlt.“
Mazda Ryuga: North American International Auto Show 2007
Als der Mazda Ryuga im Mazda Designzentrum Hiroshima unter der Leitung von Chefdesigner Yasushi Nakamuta entstand, begannen die beteiligten Designer, sich die Frage zu stellen: „Wie formt die Natur Objekte, wenn sie dabei vom Menschen gesteuert wird?“ Das Ergebnis war der enorm erfolgreiche und schöne Ryuga, „eine erforschende Studie“, die durch verschiedene Details der Designsprache Präzisierungen und Wirklichkeiten hinzufügte, die beim ersten Konzeptfahrzeug unmöglich gewesen waren.
Der Ryuga verstand es, sowohl natürliche Schönheit als auch von Menschen gemachte Bewegung auszudrücken. Die umwerfenden seitlichen Oberflächen waren inspiriert durch die einfache, aber veredelte Strömung vorsichtig geharkter Steine aus japanischen Karesansui-Gärten. Wie schon beim Nagare sorgte die Keilform für den Eindruck von Dynamik und Bewegung. In den Worten von Laurens van den Acker gab
der Ryuga der entstehenden Nagare-Designphilosophie Präzisierungen und Definitionen mit auf den Weg: durch das Hinzufügen von Antriebsstrang und Interieur-Designdetails, die im Nagare noch gefehlt hatten.
Erneut platzierte das Designteam 21 Zoll große Räder weit in den Ecken des Fahrzeugs. Sie verliehen dem Fahrzeug selbst im Stand einen erstaunlichen Eindruck von Bewegung. Details wie die Scheinwerferform, die durch den von Bambus fallenden Morgentau inspiriert ist, oder die Lavaströme andeutenden Rückleuchten unterstreichen, welchen Meilenstein die Designer mit dem Ryuga erreicht hatten.
Mazda Hakaze: Genfer Automobilsalon 2007
Der im Designzentrum von Mazda Motor Europe in der Nähe von Frankfurt entwickelte Hakaze ist ein Crossover-Coupé mit Roadster-Feeling und legt die Designsprache Nagare praktischer und funktionaler aus als seine Vorläufer. Der Hakaze wurde für Kunden entwickelt, die ein Cabrio oder Coupé fahren wollen, aus Gründen ihres Lebensstils aber auch auf praktische Eigenschaften eines Fahrzeugs Wert legen. Der Hakaze zeigte mit einer Reihe von Features, dass er diese Anforderungen erfüllt: Das Konzeptfahrzeug ist agil wie ein Coupé, besitzt die Praktikabilität und die Funktionen eines SUVs und vermittelt zugleich Roadster-Feeling durch ein abnehmbares Glasdach, das in einem ausfahrbaren Fach im hinteren Stoßfänger
verstaut werden kann. Besonders überraschte der Hakaze mit seinen extrem kompakten Proportionen: Das
Konzeptfahrzeug ist nur 15 mm länger als ein Mazda3 Schrägheck, dabei aber weiter und länger. Bei der Gestaltung der Oberfläche ließen sich die Designer von einer Kombination aus Elementen der Natur wie Sanddünen und technologischen Objekten aus Menschenhand wie Schnellboten oder Flugzeugen inspirieren. Ergebnis ist eine muskulösere und straffere Interpretation der Nagare Formensprache, die
einem Fahrzeug dieser Gattung wie auf den Leib geschneidert ist. Als Weiterentwicklung des Konzeptfahrzeugs Sassou zeigte der Hakaze zudem ein einzigartiges Beleuchtungskonzept. Dabei erzeugt das durch das tiefere Heckfenster strömende Licht einen Eindruck des Schwebens. Der Hakaze ist ein Konzeptfahrzeug, das gleichermaßen agil und robust ist, dabei eine Brücke zwischen den Fahrzeugarten Coupé und SUV schlägt und die bislang zeitgenössischste Interpretation der Nagare-Formensprache darstellt.
Mazda Taiki: Tokyo Motor Show 2007
Als futuristischster Entwurf der Nagare-Serie ist der Taiki ein Sportwagen für die nachhaltige Gesellschaft der Zukunft, der dank Gewichtsreduzierung und aerodynamischer Optimierung das Ziel verfolgt, den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen zu verringern.
Von der Erdatmosphäre inspiriert (was auch der Name im Japanischen bedeutet), wurde die bahnbrechende, gestreckte Coupé-Form mit Frontmotor, Hinterradantrieb, kurzen Karosserieüberhängen und Glasdach designt, um die Strömung der Luft zu visualisieren. Dies zeigt sich in allen Karosseriekomponenten wie der Oberflächenstruktur, den komplexen, aber schönen Radhäusern und dem flügelartigen Heck.
Die komplexen Wellenformen des Taiki sind inspiriert durch den Fluss von Fasern im Wind - die fließenden Gewänder einer himmlischen Jungfrau in einer japanischen Legende und die steigenden Wind-Karpfen „Koinobori“. Ergebnis ist ein für einen Sportwagen ungewöhnlich unaggressives und verantwortungsvolles Design.
Das von Chefdesigner Atsuhiko Yamada, Manager Advance Design Group, geleitete Team der Design-Division in Yokohama entwickelte auf Basis des Koinobori-Themas ein Luftröhren-Konzept, das unverkennbar komplex und futuristisch ist. Der Taiki legt die Nagare-Formensprache im Interieur am bislang fortschrittlichsten aus: Die Strömung der Luft formt dabei buchstäblich die fließenden Flächen der Interieur-Komponenten, insbesondere die Art und Weise, wie die Armaturentafel durch die Sitze und hinunter in die Türverkleidung fließt. Moderne Biokunststoffe, bei deren Herstellung im Vergleich zu herkömmlichen Kunststoffen weniger CO2 freigesetzt wird, formten das Interieur mit seiner Ying-und-Yang-Trennung des fahrerorientierten Cockpits vom ruhigen, entspannten Passagierbereich.
Mazda Furai: North American International Auto Show 2008
Das Konzeptfahrzeug Mazda Furai (Japanisch für „Der Klang des Windes“) ist die bisher sportlichste Interpretation der hochgelobten Designsprache Nagare und zugleich eine Reminiszenz an die 40 Jahre währende Motorsporttradition. Unter der Federführung von Design-Direktor Franz von Holzhausen wurde die sportliche Studie im kalifornischen Designzentrum Mazda North American Operations (MNAO) in Irvine entworfen. Das Kreativteam verwischte mit dem Furai die Grenzen zwischen Straßenfahrzeugen und Sportwagen und schuf ein voll funktionstüchtiges Rennauto. Auf der Basis eines Courage C65 Chassis, eines erfolgreich in der American Le Mans Serie (ALMS) eingesetzten Prototyps, entwarf das Designteam einen Sportwagen mit geschlossenem Cockpit und Nagare-Designelementen. Bei den vier Vorläufer-Studien wurden unterschiedliche Möglichkeiten der Nagare-Ästhetik erforscht und entwickelt. Optische Features wie die aggressiv gezeichneten Scheinwerfer und der typische Fünf-Punkt-Kühlergrill standen dabei im Mittelpunkt. Dagegen erfüllen beim Furai jede Struktur und jedes Detail einen bestimmten praktischen
Zweck. Während das Taiki-Konzept noch als visuelle Interpretation des Luftstroms zu verstehen
war, steht der Furai für die optimale Luftführung. Indem sie den Fahrtwind besonders günstig durch das Fahrzeug und um den Karosseriekörper herum leiten, steigern die fließenden Nagare-Linien die aerodynamische Effizienz des Automobils. Das Luftfluss-Paket an der Front leitet den Wind zum Fahrzeugunterboden und zum Motorkühler. Die seitliche Linienführung hingegen sorgt für einen idealen Luftstrom zu den hinteren Bremsen, dem Öl- und Getriebe-Kühler. Ein Diffusor am Unterboden
saugt zudem die Luftmassen aus der Motorkühlung sowie dem Motorraum und leitet sie über das Heck aus dem Fahrzeug heraus.
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